Viele MitbürgerInnen in unserem Stadtteil – insbesondere jene, die in den diversen Vereinen und privaten Gruppen unterschiedlichsten sozialen, kulturellen sowie sportlichen Aktivitäten, Aufgaben und Hobbies nachgehen – sind mit dem sozialen Umfeld, den Lebensbedingungen, der Wohnsituation und den Sozialkontakten mit Freunden und Nachbarn recht zufrieden.


 Sie fühlen sich im Stadtteil wohl und wollen hier auch ihren Lebensabend verbringen. Freilich gibt es da und dort immer wieder Situationen und Menschen, über die man staunt oder sich momentan sogar ärgert, aber grosso modo stellt man dem Stadtteil und einem Großteil seiner Mitbewohner ein gutes Zeugnis aus. Auch wir im VNO und das Redaktionsteam der Stadtteilzeitung stehen voll hinter dieser Meinung – mit einigen minimalen Verbesserungswünschen da und dort.

Der Leiter des Seelsorgeraumes St. Pius (Neu-Arzl/Olympisches Dorf), Neu-Rum und Rum, unser neuer Herr Pfarrer, Mag. Andreas Tausch, hat mich eines besseren belehrt, als er bald nach Bezug seiner Wohnung in der An-der-Lan-Straße durch den Stadtteil schlenderte, um ihn etwas näher kennenzulernen. Da fiel ihm zum Unterschied zu den früheren Orten seiner Tätigkeit (Seelsorgeraum Inzing, Hatting und Polling) auf, dass die „Grußkultur“ im „Olympischen Dorf“ zum Unterschied zu anderen Dörfern in Tirol nicht besonders ausgeprägt sei.
Er war es als Pfarrer bisher gewohnt, von fast jedermann/jeder Frau und insbesondere von den Kindern von weitem fröhlich und mit besonderer Herzlichkeit begrüßt zu werden.

Hier bei uns fand er aber mit seinem freundlichen „Grüß Gott“ wenig bis gar kein Echo. Als er sich schon mit der Frage beschäftigte, ob in diesem Stadtteil oder überhaupt in der Stadt das Grüßen nicht mehr zeitgemäß sei, kam eine Frau mit Kind freundlich auf ihn zu, erwiderte höflich seinen Gruß und begann ein aufmunterndes Gespräch. Er fügte noch hinzu, dass Personen, denen man schon von Ferne ansah, dass sie keine „Urtiroler“ sind, seinen aufmunternden Gruß eher erwiderten, als die als ansässig erkannten Menschen.
Dieser Erfahrungsbericht machte mich nachdenklich und weckte meine Selbstkritik: Grüße ich jede(n), den ich begegne, insbesondere jene, die ich schon öfter gesehen und schon als Mitbewohner im Stadtteil wahrgenommen habe? Auf die daraus gewonnene Selbsterkenntnis bin ich nicht besonders stolz. Es regte mich an, dieses Thema „Gruß-Kultur“ zur Diskussion zu stellen bzw. nach reiflicher Überlegung in diesem Editoral als eine Empfehlung bzw. einen Sinneswandel meinerseits öffentlich zu machen. Ich würde mir wünschen, dass im Stadtteil unsere „Gruß-Kultur“ im Sinne von Pfarrer Andreas Tausch verbessert und ausgebaut würde. Ich selbst will und werde beispielgebend und Vorbild sein. Wer macht mit? Hoffentlich viele!!!

Einige Beispiele: Ein freundliches „Guten Morgen“ im Lift oder im Bus, in der Straßenbahn und beim Einkaufen. Ein freundliches Handzeichen oder ein dankendes Nicken, wenn jemand mit Auto/Motor-/Fahrrad anhält und einen über die Straße gehen lässt – auch am Zebrastreifen oder bei einer Verkehrsampel, wo es verpflichtend ist.
Ich weiß, selbstverständlich, dass die Fußgänger in jedem Fall Vorrang haben und die Straßenbenützer vor dem Zebrastreifen stehen bleiben müssen, wenn ein Fußgänger eventuell sogar mit Rollator, Kinderwagen oder mit Kleinkind die Straße überqueren will. Aber ein kleiner dankbarer Gruß oder ein kleines freundliches Zeichen mit der Hand oder mit einem Kopfnicken oder gar einem Lächeln wäre ein nettes Zeichen des Dankes für das Anhalten.

Das weit verbreitete, fast „blinde“ und fordernde Betreten und Überschreiten des Zebrasteifens ohne nach links oder rechts zu schauen, ist auch nicht die „feine“ Art im Straßenverkehr. Ein freundlicher Blick oder ein anerkennendes Zeichen hilft oft sehr und verbreitet gute Laune. Geben wir uns einen Ruck und damit ein gutes Beispiel. Versuchen wir es gemeinsam, positive Reaktionen sind nicht ausgeschlossen…

FLU