Bäckerei Teiefenthaler

Wer kennt sie nicht die Bäckerei Tiefenthaler in der Pontlatzerstraße? Kunden aus nah und fern kommen bereits zeitig in der Früh, um das bekannt gute Brot oder die berühmten Semmeln zu kaufen. Doch der Beginn im September 1949 war nicht einfach, als Hermann Tiefenthaler sen. die Bäckerei vis a vis der Notkirche eröffnete. In Neuarzl bzw. dem Schießstand, wie man damals diesen Stadtteil nannte, gab es nur wenige Häuser und gerade einmal 500 Einwohner.


 Deshalb waren wir gezwungen, so erzählt Hermann Tiefenthaler jun., außer im Laden das Brot zu verkaufen, dieses auch nach Arzl, in die Höttinger Au und nach Natters und unter anderem an ein Franzosenlager zu liefern. Geliefert wurde mit einem Pferdefuhrwerk und mit Fahrrädern, später kamen ein Moped und ein Dreiradlieferauto dazu. Qualität war immer schon das Motto der Bäckerei Tiefenthaler. Darin liegt wohl auch der Grund, dass sich der Betrieb trotz der exponierten Lage so gut entwickeln konnte. Das saftige Schwarzbrot war zuerst die Grundlage des Geschäftes. Aber es gab nach den Kriegsjahren und der kargen Nachkriegszeit eine große Nachfrage nach Weißbrot.

Damals entstanden die bis heute begehrten Semmeln, die übrigens seit 70 Jahren nach wie vor nur auf Malzbasis hergestellt werden. Natürlich mussten diese in Handarbeit gemacht werden. In den Nachtstunden, wo andere friedlich schliefen, formte der Bäckermeister mit seinen Gesellen und Lehrlingen viele hundert Semmel neben diversen anderen Brot- und Gebäcksorten. Erst viel später leistete man sich eine Semmelstanzmaschine. In den folgenden Jahren wurde laufend modernisiert. Ein neuer größerer Backofen wurde installiert, eine neue moderne Mehlsiloanlage angeschafft. Das wichtigste bei der Herstellung des Brotes ist die Qualität der Grundstoffe wie Weizen oder Roggen.

Bäckerei Teiefenthaler

Seit Anbeginn wurde die Bäckerei von heimischen Mühlen beliefert. Worin fragte ich den Altbäcker Hermann Tiefenthaler jun. liegt der Unterschied zwischen eurem Brot, das auch nach Tagen noch saftig, weich und essbar ist und anderen, die oft schon am nächsten Tag hart und trocken sind? "Ein Hauptgrund ist das Anmachen vom "Dampfl" (Hefeteig) am frühen Abend. Der Teig muss mindestens 5-6 Stunden rasten, bevor er verarbeitet wird. Wir verwenden für das "Dampfl" ausschließlich Roggenmehl und selbstverständlich nur natürliche Rohstoffe. Bei uns gibt es keine Schnellbackmittel oder eine Gärverzögerung", so Hermann Tiefenthaler jun.

Diese Grundprinzipien wurden von Hermann sen., Hermann jun. und auch vom Nachfolger, Roland Gstraunthaler, eingehalten. Doch zurück zum Werdegang der Bäckerei. 1972 übernahm Hermann jun. die Bäckerei von seinem Vater. Seine Frau Hildegard hat trotz dreier Kinder mit viel Einsatz im Hintergrund den Verkauf und das Kaufmännische erledigt, sodass Hermann sich voll und ganz der Herstellung des Brotsortiments widmen konnte. In diesen Jahren begann auch der Trend zu Spezialbroten, eine weitere Herausforderung für den jungen Bäckermeister. Neben den Standardbroten, Weißbrot und Semmeln wurde eine Reihe von speziellen Brotsorten entwickelt. Natürlich durften auch Weinbeerweckerl, Croissants, Brezen, Kipferl usw. nicht fehlen. Zu besonderen Anlässen, wie Ostern oder Weihnachten, wurden mit speziellen Teigen das Osterbrot, Osterbinsen oder der Weihnachtsstollen gebacken. Für all diese Köstlichkeiten hat der Bäcker von ca. 2.00 Uhr bis 07.00 Uhr Zeit. Das ist wohl auch der Grund, dass sich heute kaum mehr Lehrlinge für das Bäckerhandwerk finden lassen. Roland Gstraunthaler, der 2002 von Hermann Tiefenthaler jun. den Betrieb übernommen hat, sucht seit Jahren Lehrlinge.

Die Übergabe an Roland Gstraunthaler war für die Familie Tiefenthaler ein Glücksfall und garantierte einen nahtlosen Übergang mit der gleichen Qualität. Roland begann als Lehrling, wurde Geselle und machte schließlich die Meisterprüfung mit Auszeichnung. Ein Glücksfall deshalb, weil Sohn Thomas aufgrund einer Mehlallergie die Bäckerei nicht übernehmen konnte. Roland Gstraunthaler ist ein begeisterter Bäcker, der zu 100 Prozent die Arbeitsweise und die Rezepturen von Hermann jun. übernehmen konnte. Auch ihm steht seine Frau Eva tatkräftig zur Seite. Mit Roland Gstraunthaler ist der Weiterbestand der Bäckerei Tiefenthaler für die nächsten Jahre gesichert. Er selbst meint, dass er nach wie vor seinen Beruf liebt und sich auch in Zukunft nichts anderes vorstellen kann. Der einzige Wermutstropfen ist das Problem, Arbeitskräfte zu finden. Sonst sieht er die Zukunft für die Bäcker positiv. Der Kunde sucht immer mehr Qualität, will wissen, woher die Zutaten für das Brot kommen, was in das Brot hineinkommt, wie das Brot gebacken wird. Den Unterschied merkt man.

Hans Hausberger