Alle, die zu den Aufnahmen zum „Report“ vom Dienstag, 28.1., 21,05 Uhr – ORF 2, aus dem Olympischen Dorf beigetragen haben – und das waren an die 100 Personen – saßen  natürlich voll Spannung vor dem Fernseher. Man wollte ja wissen, was die Herrschaften vom ORF Wien aus dem „Material“ an Interviews und Filmsequenzen fabrizieren und wie sie „unser“ O-Dorf wohl dann schlussendlich vor- und darstellen. Die Überraschung – nein, eigentlich die Enttäuschung und der Ärger  waren groß.

Man stelle sich vor: Es heißt, ein Team vom „Report“ kommt und will über das O-Dorf berichten und möglichst viele Vereine sollten so wie üblich vor Ort sein, damit man einen Einblick in unsere vielfältigen Strukturen bekäme. Außerdem waren ungekünstelte Interviews mit Leuten gewünscht, die schon seit 50 Jahren hier wohnen.

Also: Die Schützen verlegen ihre Sitzung vor, der Trachtenverein probt möglichst  zum Aufnahmetermin, das Sportvereinsbüro wird außertourlich besetzt, die Philatelisten finden sich im Vereinslokal ein usw. usw. So genannte „Ureinwohner“ werden zusammen-getrommelt und ihnen mit viel Überredungskunst die Angst vor der Kamera genommen. Kurzum das „halbe“ O-Dorf war auf den Beinen. Viele haben sich frei nehmen, Arbeitsvertretungen suchen müssen oder um kürzere Dienstzeit gebeten.

Ja, und dann? Kein einziges Interview mit den gewünschten Kandidaten wurde gebracht, es war kein einziger Schütze, kein einziger Plattler, kein Sportvereinsvertreter zu sehen. Stattdessen räumte man einem selbsternannten „Filmemacher“ sehr viel Zeit ein, der zum Gemeinschaftsleben nichts beigetragen hat und dessen Aussagen mehr als entbehrlich waren, weil sie weder aktuell noch objektiv waren. Dass einem Paar auf der Promenade nur negative Äußerungen zu entlocken waren, schreibe ich einem gewissen Altersfrust zu.

Das Fazit: Unserem O-Dorf wurde die einmalige Chance genommen, seine vielen positiven Seiten zu zeigen und sein funktionierendes Vereins- und Gesellschaftsleben zu präsentieren. Ebenso allen, die wirklich etwas zu sagen gehabt hätten, auch kritischer Natur, weil sie hier wohnen und sich für ein gutes und friedliches Miteinander von immerhin 55 Nationen einsetzen. Auch das authentische Entwicklungs- und Befindlichkeitsszenario, das die „Ureinwohner“ hätten zeichnen können, war offenbar uninteressant. Danke, Report! – wir durften das Wiener ORF-Feingefühl einmal hautnah erleben!                    

Hans Sedetzki
Verband Neuarzl-Olympisches Dorf